Geld verleihen an Freunde & Familie: Was beachten?

Geld verleihen an Freunde und Familie

Den besten Freund oder die beste Freundin auf ein Bier oder einen Kaffee einladen gehört für viele von uns einfach dazu und bedarf im Normalfall auch keiner großen Überlegungen. Mal mit ein paar Euros aushelfen, wenn jemand in der Klemme steckt, ist auch noch ganz normal. Ganz anders sieht die Sache jedoch schon aus, wenn es ums Geld verleihen an Freunde und Familie geht. Besonders dann, wenn wenn jemand Geld für eine größere Anschaffung oder die Begleichung von Schuld hat. Die Philosophien gehen hier stark auseinander. Für manche ist es eine Selbstverständlichkeit, Familienmitglieder und Freunden hier unter die Arme zu greifen. Für andere ist es ein absolutes No Go, frei nach dem Motto „Beim Geld hört sich die Freundschaft auf!“.

Privates Geld verleihen an Freunde: Was sind die Vor- und Nachteile bei der privaten Leihe?

Private Darlehen sind in der Regel unkompliziert und kostengünstig. So entfällt beispielsweise die Bonitätsprüfung, mit der sich Kreditgeber sonst gegen eventuelle Ausfälle schon im Vorfeld absichern möchten. Zwar ist das aktuelle Zinsniveau für Kreditnehmer sehr günstig, doch im privaten Umfeld sind die Konditionen in den meisten Fällen noch besser. Wer will schließlich beispielsweise einem guten Freund, seinem Trauzeugen oder seinem Bruder noch Zinsen draufschlagen, wenn sich derjenige ohnehin schon in einer schwierigen finanziellen Situation befindet?

Das ist auch alles solange in Ordnung, bis es bei der vereinbarten Rückzahlung zu Verzögerungen kommt. Im schlimmsten Fall bemerkt man nach einiger Zeit und einigen ausgefallenen Ratenzahlungen, dass man sein Geld ganz abschreiben kann. Das ist doppelt bitter: Denn es kostet neben einer Stange Geld dann meistens auch noch die Freundschaft oder treibt einen Keil in die Familie.

Nach welchen Grundsätzen Sie auch immer handeln und egal, wie gut die Freundschaft oder wie nahe das Verwandtschaftsverhältnis ist, vorsichtshalber sollten Sie sich auf alle Fälle immer mit ein paar kleinen Maßnahmen absichern. Welche das sind und wie sie sie umsetzen können, haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Absicherung auch bei Geld leihen unter Freunde und Bekannte

Ein Darlehen zwischen zwei Personen im Verwandten- oder Freundeskreis ist immer Vertrauenssache. Wenn Sie Geld verborgen, ist es Ihnen daher vielleicht unangenehm, nach einem Vertrag zu fragen. Doch stellen Sie sich einmal die Gegenfrage: War es Ihrem Gegenüber unangenehm, Sie nach Geld zu fragen?

Niemals Geld an Verwandte oder Freunde ohne Vertrag verleihen

im Ernstfall liegt die Beweislast nämlich bei Ihnen und Sie verlieren das Geld – daher sollten Sie sich auch entsprechend vertraglich absichern. Den Mustervertrag können Sie dabei auch einfach ohne die Hilfe eines Anwalts oder Notar aufsetzen.

Der formlose Vertrag für die Geldleihe sollte auf jeden Fall die folgenden Informationen beinhalten:

  • Name, Adresse und Geburtsdatum des Verleihers
  • Name, Adresse und Geburtsdatum des Empfängers
  • Höhe des Darlehens
  • Getroffene Regelungen zur Rückzahlung (zum Beispiel monatliche Raten in bestimmter Höhe, Festlegung eines Termins für die Rückzahlung in voller Höhe inklusive Zinsen,…)
  • Vereinbarte Konditionen (Ist das Darlehen mit Zinsen verbunden? Welche Vereinbarungen werden bei Zahlungsverzug getroffen?)

Wenn das Geld dann tatsächlich zur Auszahlung kommt, sollte das ebenfalls auf dem Vertrag schriftlich bestätigt werden.

Ebenso können entsprechende Ratenzahlungen am Vertrag vermerkt werden. Diese Zahlungen sollten jeweils von beiden Parteien mit einer Unterschrift bestätigt werden.

Suchen Sie sich einen Zeugen!

„Ist das unter Freunden wirklich nötig?“ werden Sie sich vielleicht fragen. Auf jeden Fall ist es neben dem Vertrag eine zusätzliche Absicherung, wenn ein Außenstehender von dem Geschäft weiß.

Im Idealfall unterschreibt diese Person als Zeuge ebenfalls auf dem Vertrag und bestätigt auch alle Ein- und Auszahlungen in Verbindung mit dem Darlehen. Diese Person kann auch als Mediator dienen, wenn es bei der Rückzahlung zu Schwierigkeiten kommt und Sie keine gemeinsame Gesprächsbasis mehr finden, noch bevor Sie deshalb zu Gericht gehen.

Wenn es hart auf hart kommt, kann ein Zeuge dann aber bei einer Gerichtsverhandlung auch entsprechende Aussagen tätigen und so dafür sorgen, dass Sie doch noch zu Ihrem Geld kommen.

Auszahlungen beim Geld verleihen an Freunde besser immer durch Überweisung

Weitere Sicherheit erhalten Sie dadurch, dass Sie kein Bargeld verleihen, sondern eine entsprechende Überweisung an den Darlehens-Empfänger durchführen. Als Text für die Überweisung sollten Sie „Darlehen“ anführen. Fertigen Sie im Anschluss an die Überweisung einen Screenshot an, bei dem der Empfänger, die Höhe des Betrages und der Betreff gut sichtbar sind und bewahren Sie diesen gut auf. Natürlich lässt sich die Überweisung auch mit Ihrer Online Banking Applikation jederzeit nachvollziehen, doch so haben Sie zusätzliche Sicherheit. Ein Ausdruck des Screenshots kann auch dem Vertrag beigefügt und von beiden Parteien (und dem Zeugen) unterschrieben werden.

Doch sowohl der Zeuge als auch die Überweisung sollten immer nur zusätzliche Maßnahmen sein und ersetzen keinesfalls den Vertrag. Sie bieten nur zusätzliche Sicherheit, sollte es zu Unstimmigkeiten kommen. Der Vertrag ist und bleibt daher immer die wichtigste Grundlage für das Darlehen.

Setzen Sie sich selbst ein Limit!

Auch wenn Sie am liebsten jedem in Ihrem Umfeld helfen möchten, der in Schwierigkeiten steckt, sollten Sie vorsichtig sein. Denn wahrscheinlich sind auch Ihre Finanzen begrenzt und Sie haben nicht unendlich Geld zur Verfügung. Daher sollten Sie sich für Sie selbst ein Limit setzen, wie viel Geld Sie maximal an Freunde und Verwandte verleihen möchten. Diese Planung sollte Teil Ihres kompletten Finanz-Managements sein.

Dabei sollten Sie folgende Überlegungen anstellen:

  • Wie viel Vermögen habe ich insgesamt?
  • Wie viel davon möchte ich langfristig und gut verzinst anlegen, weil ich nicht ständig Zugriff darauf benötige?
  • Wie viel Geld benötige ich im Falle einer Krise? Dabei handelt es sich um den sogenannten Notgroschen, der zumindest ein bis drei Monatsgehälter betragen sollte.
  • Wie viel Geld bleibt mir jetzt noch übrig, das ich für karitative Zwecke einsetzen möchte? Dazu gehört zum Beispiel auch die finanzielle Unterstützung des näheren Umfelds. Als Richtwert gilt hier ein Betrag von maximal 10 bis 20 Prozent Ihres Gesamtvermögens.

Damit Sie sich selbst nicht bei der Beachtung Ihres Limits überlisten, können Sie sich einen entsprechenden Krisenfonds in Form eines Sparkontos anlegen. Füllen Sie dabei das Sparkonto mit dem Betrag auf, den Sie maximal zur Verfügung stellen möchten. Ist kein Geld mehr auf dem Sparkonto verfügbar, können Sie auch keines mehr an Freunde und Verwandte verleihen.

Möchte ihr Gegenüber mit dem geliehenen Geld etwas im Internet kaufen, dann machen Sie ihn auf unseren Minikredit aufmerksam und legen Sie das Anlegen in professionelle Finanzdienstleister-Hände.

Geld verleihen an Freunde: Besprechen Sie den Worst Case!

Das Verleihen von Geld stellt ein hohes Risiko für jede funktionierende Beziehung dar und ist auch ein entscheidender Einschnitt. Daher sollten Sie auch bereits im Vorfeld vertrauensvoll besprechen, wie Sie damit umgehen werden, wenn es dazu kommt, dass Sie Ihr Geld nicht zurückbekommen bzw. wie der Darlehens-Nehmer damit umgehen möchte, wenn er in die Lage kommt, dass er das Geld nicht mehr zurückzahlen kann.

Reden Sie darüber, welche Vorkehrungen Sie für diese unangenehme Situation schon jetzt treffen möchten. Dabei kann es sich zum Beispiel auch um einen Pfand wie beispielsweise den KFZ-Brief handeln, den Sie bis zur vollständigen Begleichung der Schuld bei sich aufbewahren.

Es muss sich dabei nicht immer um etwas handeln, dass tatsächlich dem Gegenwert des Darlehens entspricht. Oft reicht der emotionale Wert aus, um den Schuldner doch noch zur Rückzahlung zu motivieren.

Was passiert, wenn ich mein verliehenes Geld nicht zurückbekomme?

Sollten alle Stricke reißen und auch einige eingängige Gespräche nicht dabei geholfen haben, dass sich der Darlehens-Nehmer bereit erklärt, weiter zu zahlen, hilft in vielen Fällen nur noch der Gang zu einem Anwalt. Dieser unterstützt Sie dabei, Ihr Geld zurückzubekommen.

Im ersten Schritt verschickt er dabei eine anwaltliche Mahnung. Alleine das macht auf viele Schuldner einen dermaßen großen Eindruck, dass sie ihre Handlungsweise noch einmal überdenken und zumindest versuchen, eine neue Einigung mit Ihnen oder Ihrem Anwalt zu treffen.

Der zweite Schritt im Falle einer Nichtzahlung ist die Klage. In einem Gerichtsverfahren muss hier dargestellt werden, dass Geld verborgt und nicht zurückgezahlt wurde. Insbesondere ist es wichtig zu beweisen, dass es sich dabei um keine Schenkung, sondern um ein Darlehen gehandelt hat. Deshalb ist auch der schriftliche Vertrag und die Dokumentation der Zahlung so wichtig.

Nach einer erfolgreichen Klage kann ein Gerichtsvollzieher mit einer Zwangsvollstreckung beauftragt werden. Das ist alles sehr unangenehm und daher sollten Sie bereits im Vorfeld durch die beschriebenen Maßnahmen danach trachten, dass es gar nicht erst so weit kommt.

Vorsicht vor dem Finanzamt!

Für den Staat ist das Verleihen von Geld grundsätzlich ein Geschäft. Das Finanzamt sieht zinslose Darlehen als Schenkung an und kann Sie daraufhin mit einer Schenkungssteuer belegen.

Um hier nicht mit Spatzen auf Kanonen zu schießen, sind jedoch entsprechende Freibeträge vorgesehen. Bis zu 20.000 Jahren können Sie innerhalb von zehn Jahren bedenkenlos an Freunde und Familienmitglieder verleihen oder verschenken. Bei höheren Beträgen sollten Sie sicherheitshalber entsprechende Informationen bei einem Steuerberater einholen.

Fazit

Gerade in Krisensituationen ist es natürlich wichtig, seinen Freunden und Verwandten zur Seite zu stehen. Dazu gehören teilweise auch finanzielle Zuwendungen, um anderen aus der Misere zu helfen. Achten Sie beim Geld verleihen an Freunde aber immer auf Ihre eigenen Verhältnisse und übertreiben Sie Ihre Hilfsbereitschaft nicht. Denn am Ende besteht die Gefahr, dass Sie selbst mit leeren Händen da stehen. Sichern Sie sich daher immer vertraglich ab und setzen Sie sich selbst einen maximalen finanziellen Rahmen für die Hilfe Ihrer Liebsten!

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